Professioneller Vortrag zum Thema „Erschöpfung, Burnout, Depression“ von Psychiater und Psychotherapeut Markus Treichler (früher Leiter psychiatrische Abteilung Filderklinik), veranstaltet vom Förderverein für Diakonie und Krankenpflege Bonlanden e.V. im evangelischen Gemeindehaus Bonlanden.
2008 gab es 10 Millionen Fehltage wegen seelischer Erkrankung, 2011 waren es bereits 59 Millionen Fehltage in Deutschland.  Depression ist die meist unterschätzte Krankheit heutzutage. Die WHO (Weltgesundheitsorganisation) schätzt, dass im Jahr 2020 Depression weltweit die häufigste Erkrankung sein wird, mehr als jegliche körperliche Erkrankung.
Immer mehr Menschen sind betroffen, aber viele trauen sich nicht, darüber zu sprechen. Das muss sich ändern…

Es gibt vier Stressbewältigungstypen:
1) Polterer (alles raus, dynamisch, emotional, 43 % werden unter Stress krank)
2) Insichhinein-Fresser (schluckt alles, lässt nichts raus, 50% werden unter Stress krank)
3) Stressvermeider (bleibt länger im Büro, um Arbeit zu bewältigen. Neue wissenschaftliche Erkenntnis: Wenn Person mit Zusatzarbeit zufrieden ist, wird Negativbelastung geringer, 27 % werden unter Stress krank.)
4) Stress-Konfliktlöser (fragt nicht, wer oder was ist schuld, bleibt lösungsorientiert, 24 % werden unter Stress krank)

Bei akuter Erschöpfung muss man Ruhephasen nehmen, um wieder aufzutanken.
Burnout ist keine definierte Erkrankung, sondern eine Zusatzdiagnose. Burnout beginnt, wenn man sehr viel arbeitet und sehr wenig Anerkennung dafür bekommt. Burnout ist ein Risikozustand, in dessen Verlauf verschiedene Erkrankungen entstehen können wie die Depression.
Stellen Sie sich vier wichtige Fragen:
1)  Wie wichtig ist mir der Beruf? (Ist er mein Ein und Alles, bestimmt er mein ganzes Leben?)
2) Wie wichtig ist mir die Anerkennung von anderen? (Jeder Mensch braucht Anerkennung.)
3) Wie wichtig sind mir persönliche, private, familiäre Beziehungen? (Habe ich das an meine Frau delegiert?)
4) Wie wichtig sind mir persönliche Ziele, Vorstellungen, Werte im Leben? (Wo finde ich meinen Sinn des Lebens außerhalb des Berufs?)
Brennt die Flamme der Lebensfreude und Lebensbewältigung im Kamin nicht mehr so hoch, müssen wir brennfähiges Material (Holz) nachlegen können, um das Ausbrennen zu verhindern, sonst werden wir „sinnleer“.

Was können wir tun? Nicht gegen den Stress ankämpfen, sondern für mehr Sinn im Leben, Lebensfreude und Zufriedenheit kämpfen. Das müssen wir pflegen, denn das ist unser brennbares Material zum Nachlegen oder Wiederanfachen der Flamme im Kamin.
Eine praktische Aufgabe für jeden nach Markus Treichler, die jeder in seinem Alltag sofort umsetzen kann: zwei Inseln der Freunde in die Woche einbauen: etwas Schönes, etwas das Freude macht, etwas das sinnvoll ist, worauf man sich freuen kann. Dann können wir jeden Stress aushalten.

 


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