Am Montag, 11. Juni, wurde Bürgermeister Reinhard Molt in der Sitzung des Filderstädter Gemeinderats offiziell verabschiedet. 
Auf Wunsch von Bürgermeister Molt lag die Verantwortung  für die Abschiedsrede im Namen des Gemeinderats in den Händen von Freie Wähler Fraktionsvorsitzender Stefan Herrmann.

Hier folgt nun in Auszügen der Wortlaut der Abschiedsrede:

ungern und gerne zugleich ergreife ich heute als Vertreter des Gemeinderates und als Vorsitzender der Freie Wähler Fraktion das Wort. Ungern deshalb, weil wir Sie ungern aus unsrer schönen Filderstadt zurück ins Remstal ziehen lassen. Und gerne angesichts der großen Dankbarkeit für die konstruktive und vertrauensvolle Zusammenarbeit während ihrer hoch professionellen, engagierten, durchdachten und zielführenden Wirkungszeit in der Leitung des technischen Dezernates unsrer wunderbaren Filderstadt.

Von Anfang an habe ich, und nicht nur ich,  ihre ehrliche Aufrichtigkeit, ihre gewissenhafte Professionalität und ihren kommunikativ-umgänglichen Leitungsstil nach dem protestantischen Prinzip „nicht mit Gewalt, sondern durch das Wort“ schätzen gelernt.  Doch große und viele Worte sind ihre Sache nicht, auch dort nicht, wo andere das große Wort führen oder mit dicken Backen dünne Argumente ins Feld zu führen versuchen. Und Sie sind sich als aufrichtiger Christenmensch treu geblieben in einem Dezernat, in dem nicht alle Entscheidungen in der Bürgerschaft selbstredend auf Zustimmung von Betroffenen stoßen und in dem hie und da, hier und dort von unterschiedlicher Seite und aus verschiedenen Ebenen Unterstellungen untergeschoben werden, die nachweislich jedes Anhaltspunktes entbehren.

Vieles Zukunftsweisende haben Sie, haben wir gemeinsam – auch unter nicht immer leichten und gleichen Rahmenbedingungen – auf den Weg gebracht: die Weiterentwicklung des Integrierten Stadtentwicklungskonzepts – auch in den Stadtteilen mit ersten konkreten Schritten- , das Mobilitätsentwicklungskonzept und erste Schritte in der Fortschreibung des Flächennutzungsplanes, zahlreiche Sanierungs- und Bauprojekte, beispielhaft sei nur der Schulcampus in Bernhausen genannt, und gegen manche Widerstände: die Einrichtung des Gestaltungsbeirates und vieles andere mehr.

Die nicht nur mathematisch schwierige Formel 5 mal 1 gleich 1 und fünf – oder anders gewendet: Einheit in Vielfalt – kennen sie aus Ihrem früheren und nun auch folgenden Tätigkeitsfeld und haben bewiesen, dass diese auf den ersten Blick unsinnig scheinende Formel durchaus sinnhaft sinnvoll gestaltet werden kann. Wo keine Mitte ist, droht nicht nur im Fluss der Zeit alles zu zerlaufen. Wo eigensinnige Traditionen Zukunft versperren, bleibt Zukunft verbaut. Und wo gute Traditionen leichtfertig aufs Spiel gesetzt werden, wird kaum Zukunft möglich sein.

Es gibt Situationen im Leben – und nur wer sie am eigenen Leib erfahren hat, kann diese ermessen – die nach außen hin in anderer Logik erscheinen, als dies nach innen tatsächlich der Fall ist. Ihre Entscheidung, an leitender Stelle wieder an Ihren früheren Wirkungsort zurückzukehren, mögen manche vielleicht  als nostalgisch empfinden  oder gar andere Argumente konstruieren. Wer Sie und Ihr sorgsam-fürsorgliches Überlegen kennt, kann ermessen, weshalb Ihre Entscheidung nicht gegen Filderstadt,  sondern für Remshalden gefallen ist. Ganz sicher nicht, wie böse Zungen munkeln könnten, weil dort, im schönen Remstal die Trauben tiefer hingen oder gar süßer schmeckten.
Nun wird es ernst. Nun ist es „time to say good bye“ und dies – nicht als leere Floskel, sondern aus ganzem Herzen, mit einem herzlichen Dankeschön!

Dankeschön für Ihr beherztes Engagement in den so wichtigen Bereichen der Gestaltung unsrer schönen Filderstadt – auch wenn dabei nicht alles auf ein Echo der Dankbarkeit stieß.

Dankeschön für die Aufrichtigkeit und Freundlichkeit, für ihren menschenfreundlichen Leitungs- und Kommunikationsstil – manchen hartnäckigen Widerständen und bissigen Anwürfen zum Trotz.

Dankeschön für die das politische und überhaupt jedes Ehrenamt wertschätzende Engagement, das motiviert hat und motiviert, nicht nur mit, sondern wenn es geboten ist, auch einmal gegen den Strom des Mainstream oder vehement vorgetragene Eigeninteressen Einzelner zu schwimmen.
Ihnen persönlich nochmals ein ganz, ganz herzliches Dankeschön – und Ihnen und Ihrer Familie für die kommende Zeit ein ebenso herzliches „Gott befohlen“.


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