Wenn eine ganze Straße auf E-Autos umsteigt…

Was passiert, wenn die Anwohner einer Straße gleichzeitig auf E-Autos umsteigen? Wie reagiert das Stromnetzt der Straße? Bricht das Netz zusammen, wenn alle gleichzeitig ihre E-Autos laden? Seit Juni 2018 läuft der Testversuch „E-Mobility Allee Ruit“ eines Netzbetreibers in Ostfildern. In einem typischen Wohngebiet mit Eigenheim im Ballungsraum machen 10 Haushalte in der Belchenstraße mit. An den E-Start gehen Familien mit Kindern, junge Paare und Rentner. Sie bekommen für ein Jahr ein E-Auto gestellt.
Der Netzbetreiber will in diesem Testversuch das Ladeverhalten der E-Auto-Besitzer kennenlernen und dessen Auswirkung auf das Stromnetz der Straße. In einem zweiten Erkenntnisschritt wird getestet, wie sich die Netzstabilität optimieren lässt.

 

Laden alle Anwohner der Straße gleichzeitig? Nein. Jeder hat einen anderen Tagesablauf. Am meisten wird zwischen 19 und 0.30 Uhr geladen. Meist 3-4 Autos gleichzeitig. Bei einem Stresstest, wenn alle Autos gleichzeitig laden, wurde das Netz bis zu 80 Prozent belastet. Bei 10 gleichzeitig ladenden Teslas wäre es kritisch geworden.

Als Laie brummt mir schnell der Schädel mit all den Fachbegriffen in geballter Konzentration. Was hängen bleibt: Nicht alle Haushalte laden gleichzeitig. Stromspitzen können abgefangen werden. Ein intelligentes Speicher- und Lademanagement optimiert die Netzstruktur. Ein dezentraler Batteriespeicher fungiert als Stromspeicher und Puffer. Das Projekt, das nach eineinhalb Jahren jetzt im Oktober endet, liefert wertvolle Erkenntnisse. Für die Zukunft gilt es, eine Ladestruktur aufzubauen, schnelle Lösungen für entstehende Netzengpässe zu finden, die Netzverstärkung bis 2025 zu optimieren und in Gremienarbeit die Mobilitätswende zu gestalten.

Als nächstes Projekt wird ein Mehrparteienhaus mit 60 Wohnungen und mit 60 Ladestationen in der Tiefgarage zum Netzlabor. Die Testergebnisse liefern auch für die Kommunalpolitik wertvolle Hinweise für die zukünftige Erschließung von Neubaugebieten und Umsetzung von Planungsprämissen.

 

Hedy Barth-Rößler, Stv. Vorsitzender Stadtverband Freie Wähler Filderstadt

 

 

Die Freie Wähler Fraktion stellt zur Förderung der E-Mobilität in Filderstadt und damit als Beitrag zum Klimaschutz folgenden Antrag:
Die Stadtverwaltung legt dar, inwiefern das vorhandene Stromnetz in Filderstadt für einen Ausbau der E-Mobilität hinreichend ist. Sie legt dar, welche Maßnahmen Sie ergriffen hat bzw. zu ergreifen gedenkt, um die notwendige Infrastruktur bzw. entsprechende baurechtliche Maßnahmen zu schaffen, um die Einrichtung entsprechender Ladestationen im privaten und öffentlichen Raum, insbesondere auch in Mehrfamilienhäusern zu befördern. Dabei soll die Verwaltung bei der Einrichtung von Ladestationen im öffentlichen Raum, insbesondere an wichtigen Parkierungsanlagen der Stadt, mit positivem Beispiel vorangehen und entsprechend förderliche Rahmenbedingungen für das Lade-Parkieren von E-Fahrzeugen schaffen.
Mit freundlichen Grüßen für die Freie Wähle Fraktion Filderstadt

Stefan Hermann, Fraktionsvorsitzender Freie Wähler Filderstadt


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