Archive: Juni 2024
Ehrenamtskarte BW – Modellversuch verlängert – vielleicht ab März 2025 landesweit

Nicht geschimpft ist genug gelobt – nein, das Ehrenamt verdient eine Wertschätzung und Anerkennung. Schließlich ist bürgerschaftliches Engagement ein wichtiger gesellschaftlicher Eckpfeiler der Demokratie.
Kurz vor Ablauf der einjährigen Versuchsphase wird der Testlauf mit einer Ehrenamtskarte in vier Modellregionen in Baden-Württemberg um ein halbes Jahr verlängert. Mit der Karte erhält man in verschiedenen Einrichtungen Kultur, Sport. Bildung usw vergünstigten Eintritt. Antragsberechtig sind Personen, die sich innerhalb von 12 Monaten mindestens 200 Stunden ehrenamtlich und gemeinwohlorientiert engagiert haben. Personenkreise aus z.B. Feuerwehr, Technischer Hilfsdienst, DRK, Johanniter oder Malteser haben eine „Garantie“ für die Karte. Innerhalb eines Jahres wurden im Versuch 8450 Karten ausgegeben. 75 Prozent der Begünstigten waren männlich, die Hälfte waren Feuerwehrleute. Die zahlenmäßig stärkste Gruppe war 20-29 Jahre alt. Das Land hat für den Versuch bislang 500 000 Euro investiert.
Im Ländle sind fast die Hälfte aller Menschen ehrenamtlich aktiv, mit dieser Quote liegt BW bislang an der Spitze aller Bundesländer. Die Ehrenamtskarte soll ein sichtbares „Zeichen der Wertschätzung“ des Ehrenamts sein, lässt die Landesregierung verlauten. Im Sozialministerium besteht die Hoffnung, dass die Karte im März 2025 landesweit eingeführt werden kann. Das hinge aber noch von den kommenden Haushaltsverhandlungen ab. In einigen Bundesländern gibt es die Ehrenamtskarte bereits. Niedersachsen, wo die Karte seit 2007 im Einsatz ist, hat im diesjährigen Mai die 25000te Karte ausgegeben. Dort genießen die Inhaber rund 2700 Vergünstigungen im ganzen Bundesland.
In den letzten Jahren hatte die Freie Wähler Fraktion eine ähnliche Anerkennung des Ehrenamts in Filderstadt vorgeschlagen. Immerhin ist nun die Ehrenamtsakademie keine leere Flosskel mehr. Und wenn unser Ländle es ernst meint mit der Wertschätzung des Ehrenamtes, sollte eine landesweite Ehrenamtskarte vielleicht nicht mehr in allzu weiter Ferne sein.
(Hedy Barth-Rößler)
Neus aus dem Gemeinderat: 50-Jahr-Feier-Filderstadt mit Projekttheater ja oder nein / Lärmaktionsplan – neue Maßnahmen / Kriminalstatistik 2023

50 Jahr Jubiläum Filderstadt im Jahr 2025 – Vorbereitung: Feiern von 50 Jahre Zusammenwachsen von „Fünf bleiben. Eins werden“ und „Eine Stadt. Viele Möglichkeiten“. Geplant sind für die Jubelfeier eine bunte Vielfalt mit Stadtfest und Malle-Party, Festakt, Nachbarschaftsfeste, lebendige Bilder und vieles mehr. Neu ist ein Projekttheater, ein Beteiligungstheater, bei dem ganz viele Bürger mitmachen sollen. Angeleitet werden sie von den Experten des Theater Lindenhof. Die Bürgergesellschaft von Filderstadt kreiiert ihr Stück zu 50 Jahre Filderstadt.
An diesem Punkt scheiden sich die Geister im Gemeinderat. Die Befürworter betonten die Bindungskraft des Theaters, das den Gemeinsinn und das Gemeinschaftsgefühl in der Stadtgesellschaft fördert. Angesichts dieses wichtigen Zusammenhalts schmolzen manche Bedenken hinsichtlich der recht hohen Kosten, rund 120 000 Euro. Knapp ein Drittel der (bisher veranschlagten) Kosten für das Jubeljahr. Dennoch stuften manche die Kosten zu hoch ein. Das Abstimmungsergebnis für diesen gesondert abgestimmten Punkt Theater ja oder nein: 17 ja, 8 nein und 4 Enthaltungen. Somit wird es nächstes Jahr eine Uraufführung der besonderen Art geben. Wer sich dafür interessiert, kann sich am Mittwoch, 3. Juli, um 18.30 Uhr in der Filharmonie informieren. Also Leute geht hin, macht mit und gestaltet eure 50 Jahr-Feier und Theater mit
Lärmaktionsplan: neue Bemessungsgrundlage, neue mögliche Maßnahmen: – 30 km auch tagsüber (wo es jetzt nur nachts angezeigt ist), – Verlängerung Tempo 30 Zone. Der Gemeinderat stimmt der Kenntnisnahme und Offenlegung des Planes zu. Das heißt: Der Lärmaktionsplan wird öffentlich ausgelegt, die Bürger können ihn anschauen und ihre Fragen, Bemerkungen oder Kritik mit einbringen. Also mischt euch ein. (Sobald ich weiß, wo das Ding liegt, aktualisiere ich es hier.)
Kriminalstatistik 2023. Nach dem Rückgang im Pandemiejahr 2021, sind wie in 2022 auch in 2023 leichte Zuwächse zu verzeichnen in Reutlingen und im Landkreis Esslingen. In Filderstadt dagegen ist es im Vergleich zu gleich großen Kommunen etwas rückläufig. Der Anstieg von Auseinandersetzungen von gewaltbereiten Jugendlichen konnte mit effizienten Maßnahmen eingedämmt werden. Bei kindlichen Tatverdächtigen ist ein leichter Anstieg zu verzeichnen, die Gesamtzahl an sich aber sehr gering. Fazit im Gemeinderat: Wir leben in einer sicheren Stadt.
(Hedy Barth-Rößler)
Ode an die Kindi-Freude – Einweihung Kinderhaus an der Tübinger Straße in Fil-Bernhausen

Ode an den Kindi und an die Freude – jeder Tag im Kindi ist für mich ein schöner Tag (gesungen nach der berühmten Ode-Melodie, dazu wird im Rhythmus von We will rock you geklatscht!). Wer hat denn als erster hier gegraben, fragt die Kindergartenleitung bei der offiziellen Einweihung des Kinderhauses an der Tübinger Straße in Bernhausen (gegenüber vom esg)? „Der Herr Oberbürgermeister“ schallt ein überzeugtes Stimmchen aus der Kinderschar heraus. „Und danach der Baggerfahrer!“ („War gut, Papa?“, folgt dann noch die Nachfrage des Sprößlings.) Vor fünf Jahren entstand der erste Entwurf, 2021 erweiterte der Gemeinderat das Kinderhaus von 4 auf 6 Gruppen, die Planung wurde angepasst. Am 22 Juli 2022 wurde das „Dichtfest“ gefeiert, da war das Dach dicht. Nach zwei Jahren Bauzeit konnte der Kindergartenbetrieb bereits vor einigen Monaten aufgenommen werden. Insgesamt bietet das Haus Platz für 4 Gruppen ü3 mit je 20 Kindern und zwei Gruppen u3 mit je 10 Kindern. Bislang sind 62 Kinder bereits „an Bord“. Im Frühherbst hofft man, eine weitere Gruppe aufnehmen zu können. OB Christoph Traub freut sich (nicht nur über seinen ersten Spatenstich, sondern) über einen weiteren wertvollen Baustein für eine gute Betreuung und frühkindliche Bildung.
„Holz ist ein guter Baustoff für ein gutes Raumklima“, erläutert Architekt Albrecht Hettich. Trotz 30 Grad Außentemperatur ist es innen angenehm kühl. Das Holzgebäude ist energieeffizient, bietet auch sommerlichen Wärmeschutz und das Dach ist komplett mit einer PV-Anlage ausgestattet. Jede Etage hat ihre eigene Farbe. Die Kleinsten sind gelb, die größeren grün oder orange. Im Gespräch mit einigen Mitarbeitenden (bislang 24 an der Zahl von der Küchenkraft bis zur Teilzeitkraft) spüre ich die Freude an ihrer Arbeit mit Kindern und in ihrem „besonderen“ Team, das perfekt aufeinander abgestimmt zu sein scheint mit einer gegenseitigen vertrauensvollen und verlässlichen Basis. Die Teamleitung war von Anfang an in die Auswahl ihrer Mitarbeitenden mit eingebunden. Ein Konzept, das sich sehr bewährt hat. Die Leitung und das Team freuen sich jeden Tag auf ihre Arbeit mit den Kindern und Eltern. Wer sich morgens so auf seinen Arbeitstag freut, ist auf dem richtigen Weg – eben: Jeder Tag im Kindi ist für mich ein schöner Tag, für klein wie groß. Das nenne ich eine Ode an die Kindergarten-Freude.
Ein leidenschaftliches Leben zwischen moderner Kunst, Porsche und Bambi

In der Nachkriegszeit landet das Ehepaar in Stuttgart und freundet sich mit Willi Baumeister an, der sie mit modernen Künstlern in Kontakt bringt. Sie dürfen in Paris (obwohl die Grenzen zwischen den Ländern noch geschlossen sind) den deutschen Raum einer avangardistischen Ausstellung betreuen. Sie sehen Kunst als Element zur Friedensstiftung. Als in den 1960er Jahren ihr Lebensraum in Stuttgart zu eng wird, kann das Paar seinen Wunsch, ein Heim als Museum zu gestalten, auf Nürtinger Gelände realisieren.
Künstlerische Soirées, Konzerte, Lesungen finden in den musealen Wohnräumen statt. Das Gebäude (inzwischen unter Denkmalschutz) wirkt auf mich eher wie ein Betonklotz, gilt aber 1967 als avantgardistische Architektur. Die Villa wird als Meisterwerk des Architekten Paul Stohrer eingestuft. Gleichzeitig ist das kinderlose Paar ein großer Fan vom Porsche 356, sie ergattern das erste Modell. Nebenbei mischen sie auch noch bei der Erneuerung des deutschen Nachkriegsfilms mit und erhalten für „Jonas“ einen Bambi. Als es gelingt, das Nachbargelände zu erwerben, entsteht dort ein Skulpturenpark mit Metallskulpturen.
Greta und Ottomar gründen ihre Stiftung Domnick und übergeben diese dem Land Baden-Württemberg. Das Museum liegt völlig „versteckt“ wie ein geheimnisvolles Dornröschen auf der Oberensinger Höhe mit Blick auf die umliegenden Burgen. Ich war völlig überrascht, dass wir diese Sammlung mit vielen avantgardistischen Bildern aus der Nachkriegszeit in unserer Nähe haben. Ein Besuch lohnt, die Führung war spannend und kurzweilig. Die Öffnungszeiten sind ganz untypisch am Wochenende und an Feiertagen. Infos gibt es bei: stiftung@domnick.de oder unter der Telefonnummer: 07022/51414
Sensationeller Erfolg der Freie Wähler Filderstadt im Gemeinderat



Wir haben ein sensationelles Ergebnis bei der Kommunalwahl eingefahren: einen Stimmenanteil von fast 35 Prozent und einen Zuwachs von zwei Sitzen. Die Freie Wähler Filderstadt bleibt die stärkste Fraktion, nun allerdings mit 11 Sitzen. Wir gratulieren allen alten und neuen Amtsinhabern. Herzlichen Glückwunsch. Wir sind begeistert und glücklich und dankbar.
Wir wissen aber auch, dass dieser große Vertrauensvorschuss eine große Verantwortung bedeutet, die wir sehr ernst nehmen und wahr nehmen werden. Das ist nun unser Versprechen an alle: wir werden für Filderstadt mit Sachverstand und Herz die möglichst besten Lösungen vor Ort anstreben.
Weitere Informationen zu den Wahlergebnissen auf allen Ebenen können Sie auf diesem Link hier erfahren: Kommunalwahlen/Europawahl
Wir danken allen Wählerinnen und Wählern für ihre Stimmen und ihr Vertrauen. Wir werden uns dieser Verantwortung würdig erweisen.
Text: Hedy Barth-Rößler, Stv. Vorsitzende Stadtverband
Bitte gehen Sie zur Wahl. Machen Sie Demokratie lebendig, beständig und wehrhaft.

Dauerthema Flughafentunnel – Antwort des Ministers auf unsere Anfragen
Interessante Antworten des Verkehrsministers auf unsere Fragen zum Flughafentunnel
Nachdem Fraktionsvorsitzender Stefan Hermann vor Wochen dem Landesverkehrsminister einen Fragenkatalog zum Flughafentunnel zugesandt hat, ist nun das Antwortschreiben angekommen – mit „interessanten“ Informationen, die wir unserer Leserschaft nicht vorenthalten wollen:
1.) „Die Flughafen Stuttgart GmbH setzt sich dafür ein, dass die Verbindung für alle Gruppen bestmöglich nutzbar bleibt… [und] steht zu diesen Themen weiterhin im Dialog mit dem Verkehrsministerium“. Das heißt: Auch der Flughafen ist GEGEN eine einseitige Sperrung des Flughafentunnels. Dies bestätigt auch eine Schilderung der Gespräche in der Aufsichtsratssitzung am 23.4.2024.
2.) „Angaben zu eventuellen Zusatzkosten für die Ertüchtigung von Knotenpunkten etc. sind zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht möglich… Beim Ausbau der B 27 handelt es sich um eine Maßnahme des Bundesverkehrswegeplans“. Will heißen: Die bisher veröffentlichte Gegenüberstellung der Kosten für einen gesonderten Tunnel und die Lösung mit einer einseitigen Sperrung sind höchst irreführend und können nicht miteinander verglichen werden.
3.) „Die Qualitätsstandards für Radschnellwege des Landes sehen eine Mindestbreite von 4,00 m vor. In begründeten Fällen kann dieser Wert unterschritten werden“. Dies bedeutet: Bei einer einseitigen Sperrung des Tunnels wird von einem Ausnahmefall Gebrauch gemacht, der alles andere als eine nachhaltige, zukunftsfähige und attraktive Lösung ist, zumal der Mischverkehr weiter beibehalten wird.
4.) Laut der Betriebsgenehmigung vom 18.07.2024 erlischt diese (mit detaillierten Auflagen versehen) zum 30.06.2026. „Eine Verlängerung… kann erfolgen, wenn für den Genehmigungszeitraum ein sicherer Tunnelbetrieb sichergestellt ist“, wofür die Vorlage einer Sicherheitsdokumentation erforderlich ist“. Eine Verlängerung ist demnach nicht ausgeschlossen, aber mit hohen Hürden verbunden.
5.) Im Blick auf die Vereinbarung mit der Stadt Filderstadt aus dem Jahr 1960/61 verweist das Ministerium auf ein rechtliches Gutachten, wonach diese „der beabsichtigten Teileinziehung nicht entgegensteht“. Das Land sieht sich demnach nicht mehr an den Vertrag gebunden. All diese Tatsachen und Fakten bestätigen, dass die derzeit favorisierte Lösung auf tönernen Füßen steht und keinesfalls zukunftsfähig ist – weder für den Auto- noch für den Rad- noch für den Fußverkehr. Und sie bestätigen auch, dass der Flughafen alles andere als damit einverstanden ist.
Text: Stefan Hermann, Fraktionsvorsitzender
Grafik: Hedy Barth-Rößler, Stadtverband Freie Wähler Filderstadt e.V.