S-Bahn Neuhausen – wann wird sie tatsächlich auf die Gleise gesetzt?

Entgleisende Fassungslosigkeit – aber was hilft es.
Wir erfahren im Verkehrsausschuss der Region Stuttgart direkt von Vertretern der DB, wie nun der neue Zeitplan bei der Umsetzung von S21 aussehen wird. Aller Unmut, alle Verzweiflung und immenser Vertrauensverlust äußert sich in Diskussionsbeiträgen von Seiten des Verkehrsausschusses. ( Was hilf es außer Frustabbau.)
Die geplanten oder bereits in der Umsetzung befindlichen S-Bahn Projekte des Verbands Region Stuttgart sind unmittelbar von der neuen Zeitschiene negativ betroffen. Die bauliche Infrastruktur für die S-Bahn Neuhausen wird 2028 abgeschlossen sein. Die Bahn selbst wird aber erst frühestens 2030 auf die Gleise gesetzt, da die technische bzw digitale Infrastruktur bis dahin noch fehlt – sprich das Stellwerk zum Anbinden. Auf dieser Strecke wird nur noch die neue ETCS Sicherungstechnik (European Train Controll System) eingesetzt, die in der Zukunft automatisiertes bzw autonomes Fahren ermöglichen wird. Dazu ist die 3. Stufe des Digitalen Knoten Stuttgarts unerlässlich. Die Strecke Flughafen nach Filderstadt-Bernhausen wird als ETCS-Teststrecke benutzt werden, da man hier die Technik sowohl im Tunnel als auch auf der Strecke testen kann.
Der unterirdische Flughafen-Bahnhof wird auch erst 2030 in Betrieb genommen werden.
Die DB will die Stufe 3 des Digitalen Knoten, umsetzen. Diese ist ausschlaggebend für das S-Bahn-Umland von Stuttgart. Man habe die Dimension der Digitalisierung deutlich unterschätzt, so die DB. Hoffen wir, dass die jetzige Einschätzung zutreffender ist, nachdem der Zeitplan insgesamt um 5 Jahre verschoben ist und zusätzliche 3 Milliarden Euro kosten wird.
Die DB verspricht auch eine bessere Umsetzung des Schienenersatzverkehrs bei S-Bahn-Sperrungen und -ausfällen. Die Kundschaft sollte nicht mehr das gleiche (suboptimale) Erleben haben wie in den letzten Jahren. Der Verband Region Stuttgart pocht auf die strikte Einhaltung dieser für uns verbindlichen Aussagen.
Die DB nennt 4 hauptsächliche Gründe für das Missmanagement (katastrophale Desaster) :
– man hat die Dimension der Digitalisierung unterschätzt (das Ganze war doch wesentlich komplexer als gedacht, außerdem ist die DB in den Augen vieler Experten die Umsetzung der Digitalisierung sehr halbherzig angegangen.)
– Planungsprozesse waren nicht ausreichend fortgeschritten (man baut eben nicht, bevor die Planung transparent für alle abgeschlossen ist)
– Das Technikgebäude HBF Stuttgart, das schon 2013 fertiggestellt wurde, ist inzwischen „nicht mehr passend für den aktuellen Bedarf“ (das Technikgebäude ist komplett veraltet und überholt von der Aktualität)
– zu späte Reaktion auf Normänderung bei der Stromversorgung (das jetzige Konzept ist leider nicht mehr genehmigungsfähig, weil sich die gesetzliche Anforderung inzwischen (2020!!) verändert hat, also muss nun ein neues Konzeopt her – Dauer 4 Jahre)
So ganz lässt sich die DB nicht in die Karten schauen, warum, wieso, weshalb so vieles schiefgelaufen ist, denn sie gibt ihre Zusammenfassung aus dem Revisionsbericht bekannt, der allerdings als interner Geschäftsbericht nicht veröffentlicht werden darf, kann oder wird.
Der Verkehrsausschuss verabschiedet eine 9-Punkte Forderung an die DB:
-S21 muss vollständig umgesetzt werden
-Baustein 3 des Digitalen Knoten Stuttgart ist vollständig umzusetzen
-Sperrpausen minimieren
-qualitativ neuer und verlässlicher Schieneneratzverkehr
-bestehende alte INfrastruktur solang benötigt wird aufrechterhalten
– Laufweg zum HBF möglichst schnell verbessern (ist für 2027 von DB zugesagt)
-regionale Ausbauprojekte forcieren (u.a. S-Bahn Neuhausen)
-Fokus auf Fahrgästen
-erwarten Verlässlchkeit, Transparenz und Tempo
Text/Bild: Hedy Barth-Rößler, Regionalrätin, Mitglied im Verkehrsausschuss





