Jeder dritte Mensch wird weltweit 2020 an einer Depression leiden. Im Jahr 2020 sagt die WHO wird die Depression die häufigste Erkrankung weltweit sein. Depression hat immer noch eine negative Assoziation. Man spricht lieber von Burnout, das ist positiv belegt, da hat sich jemand überarbeitet. Aber das ist falsch. Burnout ist ein Risikozustand, an dessen Ende nach langer Vorgeschichte eine Depression stehen kann.

Die Depression ist eine schwerwiegende, ernstzunehmende Krankheit. Es gibt drei Arten von Depression: leicht, mittelgradig und schwer. Die beiden letzten sind behandlungsbedürftig. 15 % der Deutschen, das heißt 12 Millionen Menschen, fallen derzeit unter diese letzten beiden Kategorien. Depression ist die am häufigsten unterschätzte Krankheit in Bezug auf Häufigkeit, Schwere, folgen im Leben, Gefahren und Behandlungsmöglichkeiten.

Wie macht sich eine Depression bemerkbar? Oft ist der Verlust eines Menschen, des Jobs oder der Heimat der Auslöser. Trauer muss jeder zulassen, Trauer ist gesund. Die Trauerzeit wird von der Gesellschaft immer stärker verkürzt. Das ist falsch.
Trauer hilft: die Stimmung ist zwar traurig, aber man weiß, das Leben geht weiter / Selbstwertgefühl bleibt erhalten / dankbar um Anteilnahme / bewältigt weiter seine Alltagsaufgaben.
Bei der Depression hingegen: kann die Alltagsaufgaben nicht mehr bewältigen / Selbstwertgefühl ist massiv beeinträchtigt / Anteilnahme hilft nicht / sieht keine Zukunft mehr.
Eine Depression kann aber auch plötzlich von einem Tag auf den anderen auftauchen. Der Depressive erlebt ein Gefühl von Traurigkeit und einer Schwere, die sich auf seinen Geist, seine Seele und seinen Körper legt und ihn in einen Abgrund zu ziehen scheint.

Anzeichen für Depression sind: Rückzug / schlechte, gereizte Stimmung / sich nichts mehr trauen / Lebensängste / Pessimismus.

Wie reagiert das Umfeld richtig?
Falsche Reaktion: Das Umfeld ärgert sich häufig über einen Depressiven. Er solle sich gefälligst am Riemen reißen und zusammennehmen. Das ist die absolut falsche Reaktion.
Ratschläge helfen ebenfalls nicht weiter, die wirken buchstäblich wie Schläge beim Depressiven.
Keine Aufforderungen oder Vorwürfe machen
Richtige Reaktion: Ich als Gesunder gehe auf den anderen zu, hole ihn dort ab, wo er sich befindet. Ich mache Angebote, auch wenn der depressive Mensch sie noch nicht annehmen kann. Ich wiederhole meine Angebote beständig, bis der andere soweit ist, sie anzunehmen. Ich muss verkraften, dass ich Geduld und Ausdauer haben muss.  Das ist eine große Herausforderung für das Umfeld.
ich sage, was ich sehe (ich sehe, dass es dir heute nicht gut geht
ich frage (kannst du gerade nicht reden, vielleicht geht es morgen…)

Wichtig für das Umfeld: für den Depressiven da sein / ihn so annehmen, wie er gerade ist (der Depressive wäre liebend gerne anders, wenn er könnte – der Depressive leidet darunter, dass er nicht kann) /  Angebot machen, dass wir für ihn da sind.

Was kann der Depressive tun? Viel körperliche Bewegung, am besten jeden Morgen vor dem Frühstück 30 Minuten spazieren gehen, jeden Tag. Das hilft vielen. Während der Depression keine wichtigen Entscheidungen treffen (z.B. keine Trennung, keine Frühverrentung, die Depression geht vorbei, dann ist wieder alles „normal“.) wenig schlafen (es ist ein Irrtum, das viel Schlaf viel hilft, bei einer Depression ist genau das Gegenteil der Fall: je länger der Depressive schläft, desto depressiver wird er.

Was kann das Umfeld tun? Für den Depressiven da sein /  (nicht gereizt sein, keine Vorwürfe machen, keine Ratschläge geben) /  stattdessen Angebote machen und Angebote geduldig ständig erneuern / Gefühle ansprechen / Mitgefühl hilft, Mitleid zieht den Depressiven nur runter / sich über Depression informieren

Den Vortrag hielt Markus Treichler, Psychiater und Psychotherapeut. Organisiert wurde die Veranstaltung vom Förderverein für Diakonie und Krankenpflege Bonlanden e.V. Vielen Dank für den äußerst lebendigen und aufschlussreichen Vortrag und für die Organisation.


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