Gemeinsames Gedenken in F ilderstadts Partnerstadt Selby an das Ende des Ersten Weltkriegs: Nach einem ergreifenden Gottesdienst in der Abbey von Selby wurden Kränze aus den tradionellen Mohnblumen (Poppy) am Ehrenmal zum Andenken aller Toten durch Kriege und Gewalt niedergelegt. Auch Oberbürgermeister Christoph Traub legte im Namen der Stadt Filderstadt einen Kranz nieder. Freie Wähler Stadtrat und Vorsitzender der Deutsch-Britischen Gesellschaft, Robert Hertler war ebenfalls dabei.

 

Freie Wähler Kreis- und Stadtrat Richard Briem hielt in Filderstadt eine Rede zum Volkstrauertag. Hier können Sie in Ruhe den Wortlaut der Rede lesen:

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

unser Gedenken an die Verletzten und Toten der beiden Weltkriege und deren Angehörige, wird in diesem Jahr, genau 100 Jahre danach, besonders geprägt von der Erinnerung an das Ende des 1. Weltkrieges.

Aber nicht nur an das Ende dieses schrecklichen Tötens und das Leid der Angehörigen denken wir, sondern auch an den Beginn der demokratischen Wandlung in Deutschland.

Die Verfassungswirklichkeit, die damals begründet wurde, wirkt bis heute nach:

Freiheitliche Demokratie, Gleichstellung aller Menschen, egal welchen Geschlechts oder Nationalität, egal welcher Herkunft oder Religion und damit auch die Wahrung der Würde des einzelnen Menschen.

Die Würde des Menschen ist unantastbar“, so steht es in unserer heutigen Verfassung, die nach dem 2. Weltkrieg und nach den Erfahrungen der beiden Kriege geschaffen wurde.

Was bedeutete dies aber damals und heute noch immer, in der Umsetzung in unserem Staat, unserem Bundesland und unserer Stadt?

Woher leiten wir diese Menschenwürde ab?

Wir Menschen, als Geschöpfe Gottes, haben unsere Würde direkt von unserem Schöpfer erhalten. Dies bedeutet in der Praxis, dass wir bei aller Unterschiedlichkeit, nicht das Recht haben, einen anderen Menschen zu verachten, zu hassen, oder ihn gar vernichten zu wollen.

Die bunte Vielfalt der Menschen ist eine Bereicherung unseres Lebens und egal, ob krank oder gesund, egal welche Hautfarbe oder Herkunft, wir gehören zusammen und sind gleichberechtigt.

Aber wir sind persönlich gefragt, was wir zum Frieden in unserer Gesellschaft beitragen wollen.

Der Volkstrauertag ist wie ein Ausrufezeichen: Achte auf Deine eigenen Worte und Taten!

Wissen wir uns in der Verantwortung für unseren Nächsten, den Einheimischen und den Fremden? Respektieren wir die Meinung des Anderen, auch wenn wir anderer Meinung sind? Lassen wir den Nächsten unsere Achtung, unsere Wertschätzung spüren?

Sind wir bereit, die Grenzen unserer persönlichen, individuellen Freiheit dort zu sehen, wo die Freiheit des Anderen beginnt?

Wir gedenken heute auch der Menschen, die durch Vertreibung und Flucht, durch Krankheit, Hunger und Tod um ihr Leben gekommen sind.

Aber auch an die vielen Flüchtlinge, die als Deutsche ihre damalige Heimat mittellos verlassen mussten. Dieses Gedenken müsste uns eigentlich auch bewegen im Umgang mit den Flüchtlingen, die in unserem Land Zuflucht und Sicherheit suchen.

Es sind in erster Linie einfach Menschen und da spielt doch die Herkunft, die Hautfarbe oder Sprache nicht die entscheidende Rolle. Diese Menschen haben ihre Würde und wenn wir von der

Würde des Menschen“ sprechen, dann sind diese selbstverständlich auch mit einbezogen.

Das Gedenken im Jahr 2018 soll nicht nur der Erinnerung gewidmet sein, sondern vor allem dem Wunsch, dass wir eintreten für die Versöhnung und für ein gemeinsames Miteinander.

Erlauben Sie mir zu sagen, dass ich mich und uns alle auch in der Verantwortung vor Gott, als unserem Schöpfer, sehe. Die Zerrissenheit in unserer Gesellschaft sollte nicht weiter zunehmen.

Wir brauchen „Brückenbauer“ und wir sind aufgerufen, als solche in unserem Umfeld, in unserem Staat und unserer Kommune tätig zu sein. Dann ist die Erinnerung gleichzeitig Aufruf zum persönlichen Einsatz für Frieden, Freiheitliche Demokratie und Wahrung der Würde des Menschen.

Friedensfähigkeit und Geduld sind Stärken, die wir, neben anderen, als Gaben und Fähigkeiten in unser Leben hinein geschenkt bekommen haben.

Lasst uns diese Gaben entwickeln und dankbar sein für all das, was wir im täglichen Leben an Gutem und Schönem erfahren.

So bleibt unser Staat und vor allem unsere Stadt Filderstadt eine Stadt, in der man gerne leben will.

 

 


Druckansicht dieses Artikels Druckansicht dieses Artikels