Der Internationale Frauentag am 8. März ist immer ein Datum, das Erreichte zu schätzen, aber auch kritisch zu hinterfragen, was noch nicht erreicht wurde. Immer noch ist „equal pay“ (die gleiche Entlohnung) in gesellschaftlicher Schieflage. „Frauen müssen endlich so viel verdienen können wie Männer!“, äußerst sich Bundeskanzlerin Angela Merkel in ihrem samstäglichen Podcast, der sich dieses Mal dem Internationalen Frauentag widmet.

Die  Vereinten Nationen haben für dieses Jahr das Motto ausgerufen: „Frauen in Führungspositionen: Für eine ebenbürtige Zukunft einer COVID-19-Welt.“

Gerade die Corona-Krise und Pandemiebekämpfung hat wie durch ein Brennglas die Schwächen einer Gesellschaft noch deutlicher ins Bewusstsein gerückt: Gerade Mütter mussten in Deutschland zu drei Viertel den Kraftakt zwischen home office und home schooling und Kinderbetreuung schultern. Prof. Jutta Allmendinger, Präsidentin des Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung hat mit ihren Bemerkungen und Aussagen zur Situation der Frauen und Müttern im 1. Lockdown im Frühjahr 2020, gestützt durch ihre aktuellen Studien und Untersuchungen, aufgerüttelt. In der ARD-Talkshow „Anne Will“ erläuterte sie, dass Frauen in der Corona-Kriseeine entsetzliche Retraditionalisierung“ erleiden würden. Provokativ formulierte sie: Das Land verliere durch die Folgen der Virusbekämpfung „bestimmt drei Jahrzehnte“ auf dem Weg zur Gleichberechtigung. Inzwischen hat sie ein Buch veröffentlicht „Es geht nur gemeinsam“, in dem sie Perspektiven für die Zukunft aufzeigt.

Der internationale Frauentag sollte uns auch immer wieder ein gern unter den gesellschaftlichen Tisch gefegtes Thema in Erinnerung rufen: Gewalt an Frauen. Jeden dritten Tag stirbt eine Frau an den Folgen von häuslicher Gewalt in Deutschland. Die Problematik der häuslichen Gewalt hat sich während der isolierenden Corona-Krise noch weiter verschärft.

Anlässlich des diesjährigen Internationalen Frauentags unterstreicht das Europäische Parlament die wichtige Rolle von Frauen in der Corona-Pandemie, da sie im Gesundheitswesen überrepräsentiert sind. In Deutschland sind 75 Prozent der Arbeitskräfte im Gesundheitswesen weiblich. Am 8. März sendet die neuseeländische Ministerpräsidentin Jacinda Ardern, die für ihr Pandemie-Krisenmanagement weltweit Anerkennung gefunden hat, eine Videobotschaft im europäischen Parlament.

Hedy G. Barth-Rößler

Stv. Vor. Stadtverband Freie Wähler Filderstadt e.V.