Keine Witze mit Hitze – die unterschätzte Gefahr

Keine Witze mit Hitze – die unterschätzte Gefahr. Dr. Klaus Wild, Facharzt für Innere Medizin und Geriatrie, gibt heiße Einblicke in die Thematik bei seinem Vortrag in Fil-Plattenhardt auf Einladung der Omas for future, in Partnerschaft mit Aktiv für Senioren und dem Stadtseniorenrat. Der Wärmetrend zeigt in den letzten Jahrzehnten eindeutig nach oben. Die Erderwärmung wächst nicht linear, sondern exponentiell. (Das haben wir schon in der Pandemie gelernt.) In dem Hitzesommer 2003 gab es in Frankreich 10 000 Hitzetote. Schnell wurde ein nationaler Hitzeplan erstellt und die zukünftige Sterberate in Hitzewellen deutlich reduziert.
Dass heiße Tage, vor allem aber heiße Tropennächte, die den Körper nicht mehr abkühlen lassen, die Gesundheit vor allem der vulnerablen Gruppen (kennen wir auch aus der Pandemie) erheblich strapazieren, ist allen Anwesenden klar. Gerade ältere Menschen haben häufiger Vorerkrankungen, und nicht zu vergessen einen umfangreichen Medikamentenplan (sogenannte Multimedikation), was sich bei heißen Tagen extrem auswirken kann.

Aber ein positiver Aspekt zum Mitnehmen: auch im Alter können viele noch ihre physiologische Leistungskurve positiv beeinflussen, was besonders wichtig ist im Blick auf die Alltagskompetenzen.
Der Vortrag will das Bewusstsein und die Sensibilität für die Wahrnehmung des Hitze-Themas in der Gesellschaft fördern. Ich lerne heute einiges dazu: Sonnencerme hilft nur gegen UV-Strahlen. Infrarotstrahlen reizen die Hirnhäute und lassen sich nur mit einer Kopfbedeckung abwehren (nicht mit Creme auf der Platte). In einem Notfall, wenn ein Mensch unter der Hitze zusammenbricht, nie kaltes Wasser geben, sondern lauwarmes. Das Wärmegefälle zwischen heißer Stadt (die auch nachts nicht runterkühlen kann) und nicht ganz so heißem Land kann bis zu 10 Grad betragen.

Wie kann sich nun die Kommune auf die kommende und wachsende Hitze in den nächsten Jahren und Jahrzehnten vorbereiten? Stichwort: Hitzeaktionsplan (siehe Frankreich). Der Landkreis Ludwigsburg hat einen erstellt (80 Seiten), in dem die acht wichtigsten Punkte der WHO eingearbeitet sind. Der Landkreis Tübingen ist ebenfalls in den Startlöchern.
Fazit des Abends: Nicht jede Kommune muss den Hitzeplan neu erfinden. Man könnte mal bei den anderen schauen, was sie schon erarbeitet haben: Kommunikation Hitzewarnung, Trinkwasserbrunnen, kühle Ort in der Stadt, Stadtklimaanalyse usw. Die Forderung des Abends von den Omas future, die wir gerne unterstützen: Wo sind die Überlegungen von Flderstasdt zu einem Hitzeaktionsplan. Was könnte man schon schnell umsetzen: Zum Beispiel die Wasserbrunnen einfach wieder mit Wasser laufen lassen (schon haben wir einen kühleren Ort). Nächster Vorschlag: Die bespielbare, besitzbare und beschattbare Stadt. Damit die Hitze-Thematik in der Gesellschaft Fahrt aufnimmt, findet am 5. Juni 2024 bundesweit und auch im Ländle ein Hitzeaktionstag mit zahlreichen Aktionen statt.
Text/Bilder: Hedy Barth-Rößler, Stv. Vorsitzende Stadtverband

Hier noch drei wertvolle Infolinks:

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